2 Prompts: Vom Feature zum Jira-Backlog

Großes Feature, wenig Zeit, dickes Problem: Wie wird daraus eine vernünftige Roadmap für mein Team?

Jeder kennt das

Du hast ein neues großes Feature - aber wie immer 1000 andere Sachen zu tun, die eigentlich subito fertig werden müssen! Und so viel Liebe, wie Du eigentlich reinstecken solltest, hast Du gar nicht. Denn das hieße ja:

  • Ziel und Scope des Features sauber aufpinseln.
  • Alles in kleine Häppchen zerlegen (allein oder im kleinen Grüppchen).
  • Dann den Rest des Teams im Workshop abholen und ihre Ideen mit aufnehmen.
  • Handliche Releases daraus bauen, die endlich mal nicht so groß sind, dass sich während des Implementierens alle darin verlaufen.
  • Und dann muss das alles auch noch in Jira rein.
  • Und den Stakeholdern erklärt werden.

Uff! Das ist halt das typisch Nervige am Product Owner oder Produktmanager-Job: dass man ständig zu viel zu tun hat und oft das Gefühl hat, man kann nix Richtig machen. Aber jetzt stell Dir mal vor, das alles ginge irgendwie ... von selbst!

Ich hab's in einer Session gemacht. Mit zwei Prompts in 10 Minuten - vom großen Feature zu Jira-Roadmap. Das sind die beiden Prompts, mit denen auch Du Dein großes Feature zerlegen kannst:

Prompt 1: Hei, hilf uns, das Feature Offline-Karten zu zerlegen. Prompt 2: Prima, passt alles.. Jetzt ab nach Jira damit.

Überblick über das Vorgehen

Der Workflow hat drei Teile:

  1. Prompt 1: Claude liest das Feature (oder Interviews, Specs, was auch immer du hast), zerlegt es in User Stories mit Akzeptanzkriterien, priorisiert, macht kleine, wertvolle Release-Scheibchen, und legt alles auf ein Miro-Board.
  2. Dazwischen: Natürlich ist das nur "best guess" - je besser Dein Modell, je mehr Claude über Deinen Kontext weiß, desto besser klappt es. Aber wie Du sehen wirst - es ist selbst mit dem kostenlosen Modell mega beeindruckend. Du arbeitest trotzdem noch mit deinem Team zusammen an den Stories, und zwar auf Miro .. ganz normaler Feature-Planning/Refinement-Workshop.
  3. Prompt 2: Claude nimmt die Miro-Inhalte und bring alles alles alles nach Jira, und baut obendrauf noch eine Confluence-Seite mit Live-Verlinkung.
Video: 2 Prompts - Vom Feature zum Jira-Backlog

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Setup: Claude mit Miro und Jira verbinden

Bevor Du anfängst: Falls Du die Claude Desktop App noch nicht eingerichtet hast, mach zuerst das Grundlagen-Tutorial. Dauert 15 Minuten und ist die Basis für alles, was hier kommt.

  • Miro: In der normalen Claude Desktop App und verbindest dort Miro via MCP (Model Context Protocol - einfach eine schöde Connection auf API-Ebene statt wildem Geklicke im Browser). Damit kann Claude Tabellen und Dokumente auf deinen Miro-Boards erstellen und lesen.
  • Jira: der offizielle MCP-Konnektor kann leider nicht so viel. Deswegen musst Du Dir Claude Code installieren (das geht wirklich unglaublich einfach, auch für Nicht-Techniker), dann ein Terminal aufmachen, "claude" eintippen, und sagen: "Hilf mir, Jira zu verbinden." Claude fragt dich dann nach deiner Jira-Domain, E-Mail und einem API-Token - und macht den Rest. Das Setup braucht einmalig 10 Minuten. Hol dir kurz jemanden aus dem Team dazu, der sich mit dem Terminal auskennt, oder trau Dich und frag Claude einfach selbst. Terminal: Claude Code mit Prompt 'Hilf mir, Jira zu installieren.'

Du kannst den Jira-Teil auch einfach erst mal auslassen - Miro selbst macht auch schon mal riesen Spaß. Im Video zeige ich es ab Minute 0:37.

Prompt 1: Vom Feature zur Miro-Tabelle

Ich habe für Claude eine Anweisung geschrieben, wie es aus einem Feature Stories macht, und wie es diese Stories in kleine Releases bündelt. Super simple, von Menschen lesbare Textdateien (im Markdown-Formant) sind das. (hier zum Download). Claude liest die Anweisungen, und es ist wie im Film Matrix, wo Trinity sich in Sekunden das Hubschrauber-Fliegen beibringt. Dann sagst Du einfach "Hi Claude, zerlege Feature X". Claude fragt dich nach der Miro Board-URL, und dann legt Claude los.

Claude liest dein Feature-Material - in meinem Fall waren das 10 Nutzerinterviews zur TripBuddy Reise-App. "Offline-Karten" war das meistgenannte Feature: 8 von 10 Nutzern wollten es unbedingt haben.

Aus diesen Interviews hat Claude:

  • 11 User Stories herausgearbeitet - jede mit "Als... möchte ich... damit...", konkreten Akzeptanzkriterien und Interview-Zitaten als Evidenz
  • Die Stories in 3 Release Slices gruppiert - nicht "Sprints", sondern inkrementelle Liefereinheiten
  • Jedem Slice Compound Goals gegeben (nach Roman Pichler): Was bekommt der Nutzer? Und was lernt das Team?

Slice 1 heißt zum Beispiel "Walking Skeleton": Nutzer kann eine Region laden und Karte, Pins und Notizen offline sehen. Team-Ziel: Architektur validiert, Early Feedback durch Friendly Test Users. Slice 2 ist ein "Limited Release" für eine Beta-Gruppe. Slice 3 bringt General Availability und Monetarisierung.

Das alles landet als farbcodierte Tabelle auf dem Miro-Board. Dazu ein Rationale-Dokument mit der Splitting-Begründung, allen Interview-Zitaten, und offenen Fragen ans Team.

Team-Review: ganz normaler Workshop

Jetzt kommt der Teil, den keine AI ersetzen kann: das Team diskutiert, und das geht remote nun mal am besten mit Miro. Stories schreiben/verschieben/löschen, Akzeptanzkriterien hinzufügen, Prios ändern...

Prompt 2: Von Miro nach Jira und Confluence

Wenn das Team fertig ist, sagst du: "Ab in Jira damit." Claude fragt nach deinen Jira-Zugangsdaten und der Miro-Tabellen-URL. Dann liest es die Tabelle aus - inklusive aller Änderungen, die das Team gemacht hat - und erstellt:

  • Ein Epic mit der vollständigen Feature-Beschreibung und einem Link zurück zum Miro-Board
  • Stories unter dem Epic - jede mit strukturierter Beschreibung: User Story, Akzeptanzkriterien als Checkliste, Abhängigkeiten, Interview-Notizen
  • 3 Fix Versions für die Release Slices, mit den jeweiligen Zielen in der Beschreibung
  • 3 Sprints (ich zweckentfremde Sprints als Release Slices - funktioniert prima) und ordnet die Stories zu

Und dann der Confluence-Teil: Claude erstellt eine Feature-Seite mit Live-Tabellen. Die zeigen per JQL-Query die Jira-Stories pro Release Slice an - wenn jemand in Jira eine Story auf "Done" zieht, sieht man es sofort in Confluence. Kein manuelles Update nötig, nie.

Am Ende setzt Claude noch Backlinks: Epic verlinkt auf Confluence und Miro, Confluence verlinkt auf Epic und Miro. Alles verbunden.

Was am Ende rauskommt

Nach zwei Prompts hast du:

  • Ein Miro-Board mit der Story-Tabelle und dem Rationale-Dokument
  • Ein Jira-Epic mit allen Stories drunter, sauber auf Release Slices verteilt
  • Eine Confluence-Seite die sich live aktualisiert
  • Backlinks in alle Richtungen - nichts geht verloren

Der ganze Workflow lässt sich wiederholen. Die Prompts sind als Markdown-Dateien gespeichert - nächstes Feature, gleicher Ablauf, gleiche Qualität. Das ist das Schöne daran: einmal hinbekommen, immer wieder nutzen.

Die Prompts zum Herunterladen

Hier kannst Du die Anweisungen als ZIP herunterladen.

Entpacken, in einen Ordner legen bzw. Claude in den Kontext werfen, und sagen "Leg los, lass uns Features schneiden" sagen. Und Claude legt los :-)

Im ersten Artikel hab ich gezeigt, wie Claude als persönlicher Sparringspartner funktioniert. Der Artikel ist Die Basis. In diesem Artikel siehst du die nächste Stufe: Claude verbindet deine Tools miteinander und macht die ganze Fleißarbeit. Genial!

Sebastian Heglmeier

Certified Scrum Trainer und AI-Trainer für Product Owner. In meinem AI-Powered Product Owner Training zeige ich, wie du AI systematisch in deine Produktarbeit einbaust - pragmatisch und hands-on.

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