Von einem, der auszog, um noch viel produktiver zu werden.
Der Anfang
Vor 12 Wochen, als ich mühsam HTML-Schnipsel aus ChatGPT nach WordPress kopiert und Fehlerbeschreibungen von WordPress zurück zu ChatGPT kopiert habe, bin ich verzweifelt mit meiner blöden AI. Ein sisyphushafter Ping-Pong-Albtraum war das, ChatGPT hat mein Leben in diesen Tagen eher schlimmer gemacht als besser.
Fast Forward: heute morgen hatte ich das Daily Standup mit meinem vierköpfigen AI-Team “Spotlight”. Wir machen das seit 3 Tagen, nachdem ich aus einem Gedankenblitz heraus eine eigene schnelle WhatsApp-Kopie gebaut (ich habe sie “WhatsAgent” getauft 🤣) und meinen Agenten beim Sich Unterhalten zuschauen kann.
Nach einem flotten Statusupdate im Chat steht der Plan für heute: Meetups und Konferenzen finden und mich anmelden, ein paar Erweiterungen für die Webseite, Trainingsteilnehmer-Emails rausschicken, die relevantesten Artikel aus der Blogosphäre sichten und einordnen, Rechnungen aus Emails rauspfriemeln, Webseitentraffic und LinkedIn Post Performance analysieren und die Content-Strategie dagegenchecken. Am gesamten Funnel der Wertschöpfung ackert irgendjemand - und das bin meistens nicht ich. Die eine Hälfte der Arbeit könnte ich selbst gar nicht, für die andere Hälfte würde ich richtig viel länger brauchen.
Nur das Posts schreiben, das mache ich immer noch selbst - irgendwie macht mir das mehr und mehr Spaß - und ich habe ja auch Zeit, jetzt wo mein AI-Team die mühsame Arbeit macht.
Georg, ein CoWorker im WERK1 (most creative place in town!) und Claude Code PowerUser behauptet, er sei ungefähr 10x bis 20x schneller als noch im Dezember. Und ich glaube ihm. Denn bei mir fühlt’s sich genau so an. So energetisch wie das ganze Jahr 2025 nicht. Meine Ideen gehen nicht mehr im Alltagstrubel verloren, sondern werden alle umgesetzt! Georg sagt dazu: “Jetzt bin ich Architekt, nicht mehr Fliesenleger”. Schönes Bild.
Hier ist ein Schnellüberflug über meine kleine Reise. Als Inspiration, weil jeder von uns irgendwo bei Null anfängt, aber die Lernkurve: die Lernkurve ist die Steilste, die ich jemals hatte.
Phase 1: Von der Laberbacke zum Mitarbeiter
Am Anfang war ChatGPT. Aber ChatGPT war, wo ich es wirklich gebraucht hätte, um ernsthaft etwas Produktives zu schaffen, nicht mehr das Richtige. Ich bin also auf Claude umgestiegen und hab’s mir auf meinem Mac installiert. Und auf einmal hatte meine AI ein Gedächtnis und hat Dinge getan, nicht nur gelabert - tatsächlich ein Quantensprung! Lest hier mehr dazu - inkl. Tutorial, wie ihr das selbst in 15 Minuten aufsetzen könnt.
Auf einmal arbeitet da also jemand für Dich.
Phase 2: “Jetzt sitze ich hier, ich armer Thor”
Im Laufe der nächsten Tage habe ich mich allerdings dabei erwischt, dass ich vor dem Laptop sitze und Minuten, Stunden damit verbringe, Claude beim Arbeiten zuzuschauen und dabei kontinuierlich Richtungsanweisungen zu geben.
Meine anfangs fast überschwängliche Begeisterung ob des Tatendrangs meiner neuen AI wich schnell einer gewissen Ernüchterung. Ich würde eigentlich gerne E-Mails beantworten, konzentriert was Schreiben, mit Freunden einen Kaffee trinken. Stattdessen gucke ich Claude beim Arbeiten zu und muss tatkräftig mithelfen, damit was vorwärts geht.
- “Darf ich was lesen?” → na klar, kleiner Claude.
- “Darf ich auch schreiben?” → aber natürlich, Claude!
- “Darf ich im Internet was Nachgucken?” → ja, aber pass gut auf Dich auf!
Als hätte ich ein 4-jähriges Kind im Büro. So hämmere ich also im Minutentakt stakkatoartig auf meine Tastatur und erlaube Claude, die Welt zu erforschen! Stand so nicht in der Job-Beschreibung.
Phase 3: Nie wieder Kindergärtner
Claude musste jetzt wirklich lernen, selbstständiger zu arbeiten.
Die Lösung war im Prinzip simpel: Ich hab Claude gesagt, was er darf - und was nicht. Alles in meinem Projektordner lesen, schreiben, ändern? Klar, mach. Im Internet recherchieren? Bitte. Außerhalb seines Arbeitsordners arbeiten oder die Festplatte löschen? Claude! Nein, auf keinen Fall. Deswegen auch ein kleines Sicherheits-Skript, das bei jedem Befehl prüft, ob Claude im richtigen Ordner arbeitet. Von Claude geschrieben - kurios, da unterscheiden sich KIs und 4-jährige dann doch. Statt vieler fragiler Einzelregeln hatte ich nun also eine großzügige Grundregel mit einem smarten Sicherheitsnetz.
Nun saß ich also rum und musste nicht mehr ständig Tippen. Habe nebenher Emails geschrieben und überlegt und recherchiert und gelesen und war sogar mal Kaffee trinken. Aber eine AI alleine kann echt lahm sein, die Tage vergingen und es hat sich nicht wirklich schnell angefühlt, die Liste an Aufgaben, was Claude für die Webseite noch alles machen muss, wurde gefühlt länger als kürzer.
Phase 4: Parallelität - jetzt wird’s schnell
Der Gamechanger: ich bin von der schicken Claude App auf Claude Code gewechselt, das läuft auf der Kommandozeile. Und hier, im Gegensatz zur App: unbegrenzte Möglichkeiten. Man kann nämlich einfach mehrere Kommandozeilenfenster aufmachen, und dann laufen viele kleine Claudes parallel. Und graphisch - ganz ehrlich - ist es eigentlich das Gleiche: Text flitzt durch’s Fenster und man tippt ab und zu. Also: nichts, wovor man Angst haben müsste.
Und dann habe ich 4 Fenster gleichzeitig aufgemacht und allen verschiedene Aufgaben gegeben. Einer Webseite, einer SEO, einer durchsucht das Internet. Der vierte lag brach, weil ich mit den anderen genug zu tun hatte. Und seitdem bin ich dabei, meine Agenten immer noch selbständiger zu machen. Meine Webseiten-AI “Dana Deployer” läuft auf Delegation Level 7, das heißt: ich sage “Dana, ich will meine Sternchen von meinem Trustpilot Account auf der Webseite haben - schau, wie das andere machen und gib mir drei Optionen”. Ein wenig später gibt mir Dana eine HTML Seite, auf der ich zwischen 3 Optionen wechseln kann, ich schreibe in ihr Fenster “Option 3 it is” und sie legt los & updated automatisch meine Webseite.
Phase 5: Ordnung statt großes Rätselraten
Das war ein echtes “Woooooow”. Hyperspeed! Aber nun stelle man sich vier -mittlerweile- Grundschüler vor, die vollgepumpt mit Gummibärchen, außer Rand und Band, an den Basteltisch gelassen werden. Dagegen war ein 4-jähriges Kind harmlos.
Denn was gefolgt ist, war das reinste Organisationschaos:
- Meine Claudes legen in kürzester Zeit immer mehr Unterordner und Dateien an
- Ich habe keine Ahnung mehr, in welchem Fenster eigentlich gerade was passiert - oder schon fertig ist
- Und sobald ich einen Agenten neu starte, wissen weder er selbst noch die anderen, ob er eigentlich überhaupt gearbeitet hat.
Also habe ich mich schlau gemacht und Regeln eingeführt:
- Jede Spezialisierung bekommt ihren eigenen Unterordner: webseite, blogging, trainings, seo. Dort ist alles, was der Agent braucht, aber vor allem: sein Gedächtnis, in Form einer Markdown-Datei.
- Wenn ich also Claude in einem dieser Unterordner starte, dann ist Claude auf einmal ein “Blogging&Content-Spezialist”, ein ander mal ein Webseiten-Experte.
- Was auch noch in jedem Unterordner ist: eine Historiendatei, wo der Agent jedes mal, wenn er eine Aufgabe fertig gemacht hat, reinschreibt. Und eine persönliche Todo-Liste für jeden Agenten, damit er/sie beim nächsten Neustart weiß, was alles ansteht.
Phase 6: Agentische Zusammenarbeit organisieren
Und dann wurde es richtig spannend. Denn drei oder vier Agenten parallel laufen lassen ist einfach. Alle Agenten so zu organisieren, dass sie sich nicht ständig in ihre Kompetenzen reingrätschen, Dinge überschreiben oder wichtige Sachen einfach brach liegen - das ist Product Ownership. Weil von Haus ist denen egal, was links und rechts passiert → not their business. Aber my business - und da hätte ich gerne ein Team, das entlang der Wertschöpfung arbeitet.
Ich habe also angefangen, Dinge zu bauen, die mir aus 14 Jahren Produktarbeit vertraut vorkamen:
- Ein gemeinsames(!) Backlog aufgebaut
- Ein Meeting geschaffen, in dem sich alle Spezialisten als Team absprechen, was das Wichtigste ist, um das Ziel zu erreichen.
- Ein Status-Board, auf dem ich (und jeder Agent) sehen kann, woran jeder gerade arbeitet
- Klare Zuständigkeiten: Wer darf was? Wer braucht was? Das hatte eine Ausdifferenzierung der Aufgaben, und damit einen Zuwachs an Agenten von 4 auf letztlich 9 zur Folge.
- Eine Content-Pipeline: Ideen → Bewertung → Entwurf → Veröffentlichung
Wichtige Lektion: Mehr Agenten heißt nicht automatisch besser. Ohne Struktur ist das wie ein Team von Spezialisten, wo jeder sein eigenes Süppchen kocht. Fun fact: um sicherzustellen, dass ich alle Skills im Team habe, die ich mittelfristig brauche, damit das Team immer autonomer handeln kann, habe ich (weil ich selbst neugierig war) einen Team-Chat gebaut für meine Agenten. Ergebnis: sie wollten ein neues Team-Mitglied, das sie ergänzt. Hier ist das Team.
Station 7: Laptop zu → Team weg? Not anymore
Ich liebe es in meinem Startup Incubator CoWorking Spot WERK1 - der absolut beste place to be in ganz München, wenn’s um Innovation geht. So saß ich heute mit einem (echten) Kollegen auf der Dachterrasse bei Mittagessen, Claude Poweruser. Und seit diesem Nachmittag sind meine Agenten deswegen nicht einfach “weg”, wenn ich den Laptop zuklappe. Sondern laufen auf meinem Server und schicken mir Updates auf’s Handy. Und seitdem kann ich noch viel komfortabler ins Handy reinsprechen und weiß, dass meine Ideen oder Aufträge einfach beim Team ankommen & die schon was vernünftiges damit machen.
Endlich den Kopf frei
Ich bin jemand, der ständig vor Ideen sprudelt. Ein Dutzend verschiedene, verrückte Gedanken gleichzeitig im Kopf, einer spannender wie der andere. Nur war das Problem, alle umzusetzen. Ach was - alle: ein paar wenige hätten schon gereicht! Aber die meisten guten Ideen sind einfach versandet, weil der Sparring Partner fehlte, weil’s kein Follow-up gab. Weil dann doch immer der Alltag um’s Eck bog und schwups-di-wups war die Idee weg oder irgendetwas anderes Wichtiger oder Dringender.
Seit ich mein Agenten-Team organisiert habe, ist das anders. Ich habe zum ersten Mal einen echten Überblick - über alles, was läuft, was wartet, was blockiert ist. Ich kann Ideen in mein Handy reinsprechen, und sie gehen nicht verloren. Ich kann sie sortieren lassen, damit die Besten oben bleiben. Ich kann sie recherchieren lassen und laufe nicht andauernd Gefahr, mich im Klein-Klein zu verlieren. Ich kann denken, statt abzuarbeiten, auf einer höheren Flugebene agieren. Architekt meiner Firma sein, ohne gleichzeitig alle Fliesen legen zu müssen. Das macht nen riesen Unterschied.
Warum ich alles auf eine Karte setze
Ich arbeite gerade Tag und Nacht an dem Thema. Mein Beratungspensum habe ich auf ein Minimum runtergefahren. Genug, um über den Monat zu kommen. Damit ich den Rest weiter an meiner Firma bauen kann, all die Ideen endlich verwirklichen kann. Das fühlt sich unglaublich gut an.
Nach 2025, wo mein Fokus auf zig verschiedenen Dingen lag, habe ich zum ersten Mal seit Langem das Gefühl, laser focussed nach Vorne zu gehen. Und ich bin genau im sweet spot: Techie genug, um zu verstehen was passiert und mir selbst helfen zu können. Produkterfahrung, um zu wissen, was wirklich relevant ist. Und ich habe mir die Zeit erkämpft, mich voll reinzustürzen.
Denn was gerade passiert, ist nicht irgendein Tech-Trend. Wissensarbeit wird automatisiert - so wie manuelle Arbeit vor hundert Jahren. Claude hat recherchiert: 1900 haben 40% der Amerikaner in der Landwirtschaft gearbeitet. Heute sind es 2%. Wir stehen vor einem Umbruch in einer Geschwindigkeit, die beispiellos ist. Und 2026 wird halt einfach krass.
Meine Mission dabei: Ich will AI für alle zugänglich machen. Auch für Leute, die keine Techies sind. Gerade für die. Und ich will auch irgendeinen Beitrag - und sei er noch so mini - dazu leisten, dass wir in Deutschland und Europa nicht komplett hinterherhinken.
Was ich daraus gelernt habe
Drei Dinge, die ich heute anders sehe als vor 12 Wochen:
1. Die Schwelle ist niedriger, als du denkst. Ich bin kein AI-Experte. Ich liebe immer noch die absolute Kunst, anspruchsvolle Software zu entwickeln. Aber Kommandozeilenbefehle und Programmiersprachen sind bald ein Ding der Vergangenheit, um das sich die meisten nicht mehr kümmern müssen. Die Tools machen es heute einfach möglich. Claude hat tatsächlich die Welt verändert.
2. Die Lernkurve ist steil. Die Technik ist nicht mehr das Problem. Everybody can Claude würde Steve Jobs sagen. Man kann einfach wahnsinnig viel delegieren, an seine AI. Wenn man sie ordentlich aufsetzt. Und wenn andere dann ordentlich für einen arbeiten, dann passiert in einem Tag viel mehr als sonst in einer Woche.
3. Deine PM- oder PO-Skills sind dein unfairer Vorteil. Produktideen an Nutzerbedürfnissen ausrichten, mit den Businesszielen alignen, den roten Faden behalten, wertvolle Pakete darüber schnüren, Risikomanagement mit MVPs, mit Stakeholdern arbeiten - all das brauchst Du immer noch. Nur hast Du bald ein kleines Team von AI-Agenten, die Dir immer mehr lästige Handarbeit abnehmen oder die Dinge machen, die nicht in Deinen Stärken liegen, wie z.B. Nutzerinterviews vorbereiten und auswerten oder Prototypen bauen. Das ist ein Riesenvorteil gegenüber jemandem, der “nur” technisch fit ist.
Und jetzt du
Das hier ist mein Weg. In 12 Wochen, neben dem normalen Geschäft. Kein teures Training, kein Bootcamp, kein Budget. Einfach anfangen, Fehler machen, weiterlernen.
Wenn du Product Owner bist und das Gefühl hast, bei AI den Anschluss zu verlieren: Hast du nicht. Die allermeisten tippen noch Fragen ein und kopieren Antworten raus. Der Sprung zum bewussten Nutzen dauert einen Nachmittag. Und von da geht’s schneller, als du denkst. Wenn du wissen willst, wo du gerade stehst - ich hab die 4 Level der AI-Nutzung aufgeschrieben.
In meinem Training “AI-Powered Product Owner” am 27./28. April zeig ich dir den kompletten Weg - vom ersten Claude-Projekt bis zu eigenen AI-Workflows. Zwei Tage, kleine Gruppe, alles hands-on. Und ja, du musst nicht programmieren können. Mehr Infos →